/

@springfeld bei Twitter udo.springfeld.eu per Feed abonnieren

Phantomdiskussion um den Anschluss am Darmstäder ICE-Halt Siedlung Tann

Die Phantomdiskussion um den Darmstädter ICE-Halt hält an. Einem Zombie gleich hat sich das Thema von der “neuen” Regierung wiederbelebt grad empor gereckt. Dabei war das Thema im Grunde schon vom Tisch, weil aus der Neubaustrecke nichts wird. Und gerade das wird nun dem ehemaligen OB zur Last gelegt. Das dessen Vorzug, der ICE-Halt Siedlung Tann nämlich, vermutlich den geringstmöglichen Eingriff in die Natur bedeutete, müsste den “Grünen” doch geschmeckt haben. Tat es aber leider nicht, denn sonst hätten wir heute Planungsreife. Heute haben wir aber nur eine Grün-Schwarze Stadtregierung, die zum wiederholten Mal wie ein trotziges Kind mit dem Finger auf Andere zeigt. Dabei hätten eben diese und die mit ihnen regierenden CDU das Thema, wenn ihnen das wirklich wichtig (gewesen) wäre, durchsetzen können. Auch entgegen ihres eigenen Votums für eine Vollanbindung, die aber faktisch nie zur Debatte stand. Das war bühnenreifes politisches Theater, zum Missfallen der Deutschen Bahn und zu Gunsten des ein oder anderen Entgegenkommens. Weder vielzitierte Fußnote noch der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung noch der Schulterschluss mit dem umgebenden Gemeinden hatte und hätte den Unterhändlern der Deutschen Bahn AG nennenswerte Zugeständnisse abgerungen. Und so kam es wie es kommen musste. Und so stand der Oberbürgermeister ganz allein da, mit der Bahn und der einzig realistischen Planungsalternative. In der Situation hätte eine an Sachpolitik interessierte, neuen Politikstil predigende und über die Partei-/Fraktionsgrenzen hinaus denkende progressiven Grünen den Meinungswandel herbeiführen müssen. Dann hätten sie sich mit dem Oberbürgermeister Walter Hoffmann zu einer Partei-übergreifenden Lösung zusammenraufen können. Dann stünden wir jetzt vor der Planungsreife. Stattdessen wurden immer wieder Phantomdiskussionen geführt, wie beispielsweise über Umsteigezeiten. Stattdessen wieder nur Schuldzuweisungen an den ehemaligen Partner.

Wenn jemand im Ballungsraum Rhein-Main umsteigen gemusst hätte, ausgerechnet in Darmstadt wäre das denkbar schwierig geworden. Doch jetzt mal Tacheles: Wer anstatt in den Landkreis Darmstadt-Dieburg oder den sie umgebenden weiter reisen müsste, der wäre natürlich angeschmiert gewesen. Der Fußweg von Siedlung Tann (49°51’59″N 8°36’14″E) zum Europaplatz beträgt 2,2 Kilometern und ist laut Google Maps ein Fußweg der in 27 Minuten absolviert werden könnte. Mittels öffentlicher Verkehrsmittel, die schon heute inmitten der Siedlung in kurzer Frequenz fahren wäre man noch viel schneller. Die errechnete Umsteigezeit von knapp einer halben Stunde hätte ortsfremder Volltrunkener abkürzen können. Doch fragen wir uns mal, wer denn an einem ICE-Systemhalt in Darmstadt aussteigt? Das sind Besucher des Kongresszentrums beispielsweise, oder eben Reisende in den Umkreis, allesamt darauf aus in die Stadt oder zum Hauptbahnhof zu gelangen. Und wie machen das die Bewohner der Siedlung? Sie setzen sich in die Straßenbahn, mit Ziel Hauptbahnhof, Luisenplatz – und von dort fussläufig zum darmstadtium™, oder nach Griesheim. Den Siedlern ist das also zuzumuten, den Reisenden aber nicht? Und zu den Umsteigezeiten von 30 Minuten nur so viel: Wer schon mal weniger als zehn Minuten am Bahnhof in die Leere starren durfte, und zwar ganz egal an welchem. Die durch die Siedlung Tann hindurchführende Verkehrsachse wird verhältnismäßig häufiger bedient und durch geschickte Verhandlung hätte der Bahn sicherlich noch etwas finanzielle Beteiligung abgerungen werden können, um einen Zubringerverkehr zu gewährleisten – beispielsweise eine Verlängerung der Linie 3 über den Hauptbahnhof hinaus an eine anzulegende Wendeschleife. Dazu hätte nicht jede Straßenbahn verlängert werden müssen, es hätte gereicht allein “einmal pro Stunde pro Fahrtrichtung” zu verstärken. Daran hätte den Grünen liegen können, wenn sie den ÖPNV fördern hätten wollen. Doch der ÖPNV war und ist nicht der Sinn dieser, der vorangegangenen und der noch folgenden Phantomdiskussion, denn sonst hätten seinerzeit schon die Weichen gestellt werden können. Der Zug ist abgefahren, das Signal steht auf Rot, und die Grün-Schwarze Politik macht nichts besser in Hinblick auf den Fernverkehr, den ÖPNV und zeigte damals wie auch heute nicht den Willen zu neuer Politikstil.