Not dead, unwanted, therefor not alive. Von der letzten Phase früherer Vorzeigeprojekte.

„Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten.“ heißt es manchmal, wenn wer Wert auf den Inhalt, nicht auf Interpunktion legt. „Wer einen Fehler berichtet, wird belohnt.“ heißt es andernorts zur Förderung der Innovationskultur von Unternehmen.

Was, wenn es sich um ein Produkt handelt, das in Deutschland verortet ist, aber im Grunde nur eine Kopie eines besseren Angebots andernorts ist? Was, wenn die deutschen Ingenieure der verantwortlichen Firmen Fehler nicht finden, die sie in Produkte einbauen, deren Innovationsgrad nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil ihrem eigenen Geist entsprangen. Mir sind massig Portale bekannt, die ich früher selbst gern genutzt habe, die aber ihren Flair verloren. Oder auf die ich früh aufmerksam wurde, weil sie einen bis dahin nicht dagewesenen oder „eingedeutschten“ Mehrwert anboten.

Und es liegt in meiner Natur, das ich gefundene Fehler weitergebe. Weil das nur ein Bruchteil der Nutzer tut, und die Mehrzahl damit zu leben beginnt, bis sie sie nerven und mehr oder wenig später genervt aufgeben. Es gibt auch 2011 noch Portale, deren Reichweite ihnen eine größere Bekanntheit bringt als mancher deutsche A-Promi jemals erlangen wird. Dennoch wird diese Portale 2012 vermutlich ein jähes Ende bereiten oder zumindest ein schrecklich langwieriges einleiten.

Nehmen wir das Beispiel Amazon – mal ganz abgesehen vom Umgang mit rechtslastigen Verlagen. Das Hier von Glashaus ist mein1 einziger rezensierter Artikel, daneben listet Amazon „Alle Ihre Tags“ – darunter betrüger, blender, doctor doolittle, fälscher, gel, hochstapler, kopierer, lackaff, lügnere, münchhausen, plagiator, schmierlappen, unglaubwürdig. Nur korrespondiert keiner der vorgenannten Tags mit dem angezeigten Produkt. Das Produkt, auf das sie sich beziehen habe ich nie in Betracht gezogen: Wer will sich schon mit kopiertem Altpapier des Freiherrn belasten? Eben. Manche Worte unter den zufällig gefundenen Tags kannte ich bis zur Veröffentlichung von „Vorerst gescheitert“ gar nicht. Und die beiden einzigen für das gezeigte Produkt waren top und charts. Das dort die Tags für das zu Guttenberg Pamphlet erschienen, erklärt sich dadurch das ich bei dem Artikel auf die entsprechenden Tags sties und sie vollumfänglich unterschreiben – und also anklicken – konnte. Amzaon wird so schnell nicht verschwinden, soziales Einkaufen aber wird dort auch nicht groß, wenn solche Kinderkrankheiten so lang unentdeckt bleiben.

Weiter zu etwas ganz anderem: Den armen Briefzustellern gehört unser Respekt, vor allem aufgrund der Inkompetenz ihrer Vorgesetzten. Was wurde da nicht schon alles an Reformen hervorgebracht, um dem dahin siechenden Briefgeschäft neues Leben einzuhau(ch)en. Werbebotschaften beispielsweise werden jetzt mal eben mitverteilt, als Fernsehzeitung getarnt mit (freilich zum Recycling fähigem) durchsichtigem Umschlag ummantelt und mit Werbung angereichert. Jeder Woche das selbe Spiel, jede Woche wandert das selbe Bündel Papier direkt in die Altpapiertonne. Oder es wurde diskutiert, am Samstag einfach Fünf grade sein zu lassen. Die privaten Briefzusteller sind am Markt angekommen um sogleich wieder zu gehen, nicht ohne zwischendrin ihre Mitarbeiter auszubeuten. Die wenigen übrig gebliebenen privaten Briefzusteller sind nicht gerade für ihre fairen Bedingungen im Umgang mit ihren Mitarbeitern berühmt. Im Warten an der Ampel einen solchen nach einer Unterschrift für den Mindestlohn fragend erhielt ich von dem nur die abschlägige Antwort, er habe keine Zeit. Und in jüngster Zeit wird der Postbrief gepimpt: Als Mischung aus klassischem Brief, Briefkasten, Einschreiben mit Rückschein und all das auf elektronischem Wege, verkauft als technologisches Wunderwerk, schnittig ePost benannt, blieb die Wunderwaffe der zweite Rohrkrepierer der Deutschen Post unter diesem Namen. Denn bereits vor vielen Jahren bot man unter epost.de einen so genannten Webmailer an, der aber eben nicht erlaubte Zustellung zu bescheinigen. Irgendwann war man möglicherweise dahinter gekommen, das Neonazis den Begriff E-Post für sich eingenommen haben und hat das Projekt mehr still und heimlich aufgegeben. Auch das neue Projekt floppt mehr oder weniger wahrnehmbar. Denn trotzdem Werbetafeln von Werbetafeln in der ganzen Republik freundliche Postboten herunter grüßten, scheint niemand das zweite Klingeln wahrzunehmen. Zum Jahresende versucht es die Deutsche Post möglicherweise schon zum letzten Mal, mit Gewinnspielen2, Gutscheinen3 und Giveaways. Meine Einschätzung: Um den Trend abflauende Daily Unique User hilft das nicht herum. Daran das Ruder rumzureißen hindert sie nur das es keine oder keine bereitwilligen Berater gibt, die das Projekt retten können und wollen.

Aller guten Dinge sind Drei: Mit einer Kopie von Facebook im Gepäck kamen die Gründer von StudiVZ vor Jahren aus Amerika zurück. Was sie daraus machten, insbesondere was an Ingenieurleistung hieran verbrochen wurde, dokumentierte ein „Alpha-Blogger“4 zur Genüge. Und inzwischen hat sogar die altehrwürdige Frankfurter Allgemeine Zeitung ihren Narren an der Schelte auf das längst an Holtzbrink verkaufte Millionengrab gefressen und mehrere Artikel darüber veröffentlicht, die von der Unfähigkeit der Deutschen im Umgang mit den sozialen Netzwerken handelt und vom Niedergang der VZ-Netzwerke im Speziellen. Bis März ist dort das Licht aus, prognostiziert man dort. Und es wäre nur ein vernünftiger Berater nötig, das zu verhindern. Allein er wird es vermeiden das angestaubte Relikt zu retten.

Zu guter Letzt noch ein Bonus: eBay hat ein ähnliches Problem. Vor dem Web 2.0 groß und nie an die neuen Möglichkeiten herangekommen, siecht das Auktionshaus dahin. Allein die Eröffnung einer eigenen Bank hat bislang dafür gesorgt, das dem Startup nicht längst die Luft ausgegangen ist. Auch hier gilt wieder: Nur ein einziger kleiner, leicht reproduzierbarer Fehler, der vielen Kunden auf den Geist geht, und der zuschlägt wenn der Kunde zuschlägt. Der Fehler behindert die Abgabe von Geboten eben dabei. Warum der jetzt schon eine Weile enthaltenen Fehler nicht behoben wird, darüber mag man spekulieren. Über die Auswirkung auf einen geschäftskritischen Prozess aber braucht man nicht spekulieren. Und auch hier gilt wieder: Ingenieure am Werk, noch zudem in der frühen Phase als Alando auch deutsche Softwareingenieure, die nur mit der perfekten Kopie beschäftigt waren, für den deutschen Markt und den gewinnträchtigsten Exit. Für den klitzekleinen Fehler, der jeden Tag Kunden kostet, hat dort heute offenbar keiner Zeit.

Nur vier Beispiele für Millionen-schwere Unternehmen, die mit einer Hand voll echter Experten ihr Geschäftsmodell retten könnten, es aber versäumen und sich somit in ihre letzte Projektphase begeben.

Damit nur mal ei

  1. Profil von Musikliebhaber bei Amazon; Affiliate-Link []
  2. bspw. 500 Euro Guthaben bei PayPal []
  3. bspw. einen 10 Euro Gutschein für Brands for Friends []
  4. Ja, den Begriff gab es damals noch. []

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