Die blumige Sprache der Generation Y

„Generation Y“ ist das Blog einer Exilkubanerin in Kuba. Klingt paradox, ist aber so. Denn entgegen der landläufigen Meinung, mit der Meinungsfreiheit sei es im ehemalige Freudenhaus der prüden gehobenen amerikanischen Gesellschaft nicht weit her, verfasst eine in Kuba lebende Kubanerin in regelmäßigen Abständen systemkritische Beiträge auf ihrem Blog, zu Gunsten der Reichweite auch einer Vielzahl anderer Sprachen. Das Blog wurde mehrfach einschlägig ausgezeichnet, und gilt wegen seiner authentischen Handschrift als lebensechtes Zeugnis der Missstände im sozialistischen Kuba. Da schreibt die junge Frau beispielsweise:

Gestern war der Tag der Landstraße. Zwei Stunden bis nach Pinar del Río und nachts zurück auf der Asphaltstraße, die diese Stadt von dem lärmenden Havanna trennt. Der Wind, der durchs Autofenster hereinkommt und aus meinen Haaren ein Gestrüpp macht. Die Erschütterung im Nacken, jedes Mal wenn das Auto ein Schlagloch trifft, und der Schreck, den die dunkle und nasse Autobahn, die durch Kontrollpunkte der Polizei gesprenkelt ist, einem einjagt.

Die Schlaglöcher säumen fraglos viele Straßen, aber gerade Einheimische wissen um den Wert ihres Gefährts. Jene alte Kutschen die einem von Kuba vor das innere Auge rücken und die dem Land die Würde längst vergangener Jahrzehnte verleiht. Jedes Schlagloch, dem nicht ausgewichen wird, erhöht rückt dem fahrbaren Untersatz zu Leibe, und hinterlässt Spuren denen man nicht einmal eben durch Anruf beim Automobilclub beikommt oder für die das Ersatzteil entweder schlicht nicht existiert oder viel zu teuer ist. Darum fahren Kubaner mit ihren Karossen nicht gezielt Schlagloch um Schlagloch an, und deshalb müsste der Fahrer selbst auch schon ordentlich Rum getankt haben, um seine Mitreisenden von Zeit zu Zeit aus ihren Träumen von einem besseren Kuba mit frisch asphaltierten Autobahnen zu reißen.

Auf denen war während unseres vierwöchigen Aufenthaltes und einer Rundreise von einem zum anderen Ende der Insel und retour übrigens kein einziger „Kontrollpunkte der Polizei“ zu sehen, mit denen die selbe Autobahn angeblich gesprenkelt war. Das in Kuba viel mehr Polizei unterwegs ist als in einem anderen Land wage ich zu bezweifeln, und ihre Präsenz auf den Verkehrswegen galt in der Regel der Jagd auf ein schattiges Plätzchen, von dem aus der fließende Verkehr beobachtet werden kann.

Zu guter Letzt sei noch erwähnt, das die Mehrzahl der Kubaner ihren Alltag ohne Zugriff auf das Internet bestreiten. Demnach dürfte die junge Frau, auch in Anbetracht der Tatsache das ihre Veröffentlichungen in mehrere Sprachen übersetzt werden und das Blog professionell betreut wird, selbst wenn die Verfasserin keinen direkten Zugang dazu hätte um ihren Frust und ihre Wut über das eigene Land zu veröffentlichen, trotzdem ein hohes Privileg genießen, nämlich das wie zu Anfang erwähnte und allgemein in Abrede gestellte Recht auf freie Meinungsäußerung.

Dem Land, das den Kommunismus enden sah und den Kapitalismus straucheln täte es gut, wenn allen Kubanern solche Rechte zu teil würden, aber dafür müssten 20 Jahren nach Ende des Kommunismus und 50 Jahre nach der Kubakrise endlich einmal normale Handelsbeziehungen möglich sein. Denn noch bis heute sind manche existentielle Güter nur über Umwege und somit Transferkosten zu beschaffen. Das gilt auch für den Asphalt, der die Schlaglöcher stopfen würde. Das jedoch herbeizuführen ist „Generation Y“ nicht in der Lage. Nicht, weil es nicht aus genug Unterstützung erhält, sondern vielmehr weil die Zielrichtung eine Andere ist.

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