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Relative Betrachtung und Relativierung rechstrextremer Gewalttaten

Relative Betrachtungen zeugen oft nur vom Willen zur Relativierung. Vorliegende Betrachtung rechtsextremer Gewalttaten heruntergerechnet auf alle Einwohner Hessens ist dabei zudem zynisch und beliebig:

0,41 Gewalttaten je 100 000 Einwohner (…) im Jahr 2007 einen extremistischen Hintergrund. (…) Laut Bouffier ist Hessen das Bundesland mit der geringsten Dichte an rechten Gewalttaten.

Demnach nur 0,0000041 rechtsextreme Gewalttaten pro Hesse pro Jahr! Jeder 243902,43902439024390243902439024. Hesse verübte eine rechtsextreme Gewalttat in 2007, fast nicht mehr wahrnehmbar also! Jedes Jahr nur 2,4600000000000000000000000000004 rechtsextreme Gewalttaten in Frankfurt am Main, umgerechnet beispielsweise auf die Einwohnerzahl, Gewalt kennen wir garnicht!

Herr Minister Bouffier wird vom hessische Steuerzahler nicht für solche Laienspiel in Form neu arrangierter Zitate seines jüngst veröffentlichten Verfassungsschutzbericht bezahlt, sondern für die Lösung dieser Probleme. Trotzdem fällt ihm wiederholt nichts anderes ein, weshalb er wenigstens der Vollständigkeit halber nicht vergessen sollte folgende relative Kennzahl zu erwähnen, die aus dem selben Bericht stammt:

Rechtsextremistische Gewalttaten sind mit einem Anteil von rund 4% aller Straf- und Gewalttaten (…) sehr gering; es handelt sich fast ausschließlich um Körperverletzungen.

Banalitäten und Relativierungen aber helfen nicht gegen rechtsextreme Gewalt, wie sie auch den Opfern rechtsextremer Gewalt nicht helfen. Konsequentes Vorgehen gegen rechtsextremistische Strukturen wo sie offenkundig anzutreffen hilft rechtsextreme Gewalt vorzubeugen, Zahlenkosmetik hingegen hilft nur der eigenen Aussendarstellung. Vorbeugenden Jugendarbeit vor allem in betroffenen Regionen hilft rechtsextremer Gewalt vorzubeugen und Jugendliche vor einem Ableiten in eine gewaltbereite Szene zu bewahren, Ausländer pauschal als Kriminelle abzustempeln dient hingegen nur der Wählermobilisierung. Wenn Herr Bouffier es ernst meinte und seinen Salär verdienen würde, hätte er Antworten auf rechtsextreme Gewalt statt Zahlenspiele zu ihrer Relativierung parat.

Hinweis: Gern hätte ich auf die dpa Meldung als Quellenangabe sofort verlinkt, bislang aber fand die Meldung keinen zitier fähigen Widerhall. Anfrage und Antwort von SPD Fraktion bzw. des Ministers für Inneres und Sport sind auch noch nicht veröffentlicht, was vermutlich erst nach Kenntnisnahme durch das Parlament erfolgen wird.